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Murtal: Wer entscheidet über Berufswahl von Jugendlichen?

Murtal: Wer entscheidet über Berufswahl von Jugendlichen?Mittwoch, 24. Oktober 2018

Das Regionalmanagement Obersteiermark West und die Wirtschaftskammer Murtal luden am 18.10.2018 zum alljährlichen After Business Meeting ins Schloss Gabelhofen. Univ. Doz. Mag. Dr. Herbert Schwetz – von der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich hielt einen Vortrag zum Thema „Der neue Trend, Land ohne Facharbeiter“. Er beruft sich auf seine Studie, in welcher er Einflussfaktoren aufzeigt, die auf die Zukunftsentscheidung von Schülerinnen und Schülern an Neuen Mittelschulen starken Einfluss nehmen.

Zu den wichtigsten Meilensteinen im Leben von jungen Menschen gehört die Entscheidung für einen geeigneten Bildungs- oder Berufsweg. Im besten Fall treffen Jugendliche diese Entscheidung ganz nach ihren eigenen Interessen, auf Basis ihrer Begabungen und Talente, völlig frei von ihrem familiären oder sozialen Hintergrund und unabhängig von ihrem Geschlecht. Die Realität stellt sich aber auch heute noch meist anders dar und Jugendliche wählen nach wie vor deutlich beeinflusst durch Familie, Schulkollegen und Freunde ihren Weg in Bildung und Beruf. Überwiegend entscheiden sie sich immer noch für „geschlechtstypische“ Schultypen oder Lehrberufe.

Der pädagogische Paradigmenwechsel

Im Schuljahr 2016/2017 entschieden sich ungefähr zwei Drittel der jungen Menschen in der Steiermark für eine AHS bzw. BHS oder eine berufsbildende mittlere Schule. Darüber hinaus ergaben Untersuchungen, dass viele Jugendliche am Ende der vierten Klasse der NMS weiterführende Schulen besuchen werden. Trotz der Vielzahl an Angeboten in der Berufsorientierung dürften diese nur wenig Wirkung hinsichtlich Zukunftsentscheidungen zeigen. Doch wer sind die wirklichen "Player", die hier Einfluss auf die Jugendlichen nehmen können und welche BO-Maßnahmen sind am zielführendsten? Die Antworten dazu lieferte Schwetz im Rahmen seines Vortrages.

Es geht um die Wirksamkeit der Berufsorientierung in den vierten Klassen von ländlichen Neuen Mittelschulen im Allgemeinen und um die aktuelle Praxis der Berufsorientierung mit den vielen externen und internen Unterstützungsangeboten (z.B. Boys Days, Girls Days, Tech Lab, Talent Center der WKO in Graz etc.) im Besonderen.

Im Fokus stehen auch die einwirkenden Faktoren rund um die Zukunftsentscheidung von Jugendlichen und die möglichen regionalen Auswirkungen dieser Entscheidungen. Es geht neben den vielfältigen Zielen aus der staatlichen Normierung auch um die Wünsche der Wirtschaft, die in Form von externen Zusatzangeboten für die Berufsorientierung an den Schulen vorliegt. Wie schon erwähnt ist auch der Einfluss der Eltern auf die Entscheidung ihrer Kinder nicht zu unterschätzen. Aktuell wird viel über die Landflucht der gut Ausgebildeten diskutiert. Schwetz vertritt die Meinung, dass an dieser Schnittstelle des österreichischen Bildungswesens der Prozess der Landflucht eingeleitet wird. Generell wird die Frage nach der Wirksamkeit der Berufsorientierung gestellt.

In der Berufsorientierung an neuen Mittelschulen hat sich ein „Markt“ von Zusatzangeboten etabliert. Viele schulexterne Institutionen bieten Tests bzw. Workshops an. Der Berufsorientierung im Allgemeinen und diesen Zusatzangeboten im Besonderen haftet mehr Eminenz- denn Evidenzbasiertheit an. Es ist zu wenig über die Wirkung dieser Steuerinstrumente bekannt. Auf der anderen Seite gibt es eine ungebrochene Tendenz der Schülerinnen und Schüler in vierten Klassen von ländlichen Neuen Mittelschulen, sich für eine weiterführende Schule zu entscheiden. Der Prozentsatz hierfür liegt an manchen Standorten bereits bei 88 %. Das letzte Leistungsfünftel bleibt für die Polytechnische Schule und danach vermutlich für die Lehre. Diese Entwicklung hat bereits dazu geführt, dass Polytechnische Schulen geschlossen werden mussten. Das Verbleiben des letzten Leistungsfünftels für die Lehre dürfte auch einer der Gründe sein, dass die Gewerbetreibenden seit einiger Zeit die mangelnden Qualifikationen der Lehrstellenbewerbenden beklagen. Es stellt sich weiteres die Frage, welche Berufschancen die Matura-Qualifizierten im ländlichen Raum haben oder ob die Höherqualifizierung zur Abwanderung führt.

Wesentlich mehr Mädchen wählen nach der vierten Klasse eine allgemeinbildende höhere Schule. Es kann angenommen werden, dass diese weiblichen Jugendlichen nach der Matura zum Studium in die Ballungszentren ziehen und dort auch sesshaft werden. Dieser Trend dürfte ganz wesentlich die Landflucht der Frauen begünstigen, zumal angemessene berufliche Möglichkeiten im ausreichenden Maß am Land nicht gegeben sind. So verloren zum Beispiel die Bezirke Murtal (minus 7,1 %) und Leoben (minus 7,8 %) in der Steiermark rund 7 % ihrer Bevölkerung. Im Vergleich dazu wuchsen die Bezirke Donaustadt und Floridsdorf in Wien jeweils um 27,2 % bzw. 22, 1 %.


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