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Menschen im Mittelpunkt: Jasmine Willibald – Wenn Ehrlichkeit stärker ist als Perfektion

 Zwischen schlaflosen Nächten, Selbstzweifeln und unerschütterlicher Liebe zeigt Jasmine Willibald aus der Rachau, warum wahre Stärke oft ganz leise beginnt.

Jasmine Willibald aus der Rachau mit ihrer Tochter Mia – eine bewegende Geschichte über Mut, Familie und Zusammenhalt.
Jasmine Willibald erzählt offen von den Herausforderungen als Mutter und zeigt, wie Ehrlichkeit, Liebe und Zusammenhalt neue Kraft schenken.

Manche Geschichten brauchen keine großen Worte, um tief zu berühren. Die Geschichte von Jasmine Willibald ist eine davon. Sie erzählt von einer jungen Unternehmerin, einer Mutter mit außergewöhnlicher Intuition und einer Frau, die den Mut gefunden hat, auch über die schwierigsten Kapitel ihres Lebens offen zu sprechen.

 

Wer Jasmine Willibald heute begegnet, erlebt eine herzliche, lebensfrohe und selbstbewusste Frau. Mit einem offenen Lächeln, viel Humor und einer ansteckenden positiven Ausstrahlung. Kaum jemand würde vermuten, welchen Weg sie in den vergangenen Jahren gegangen ist. Einen Weg voller Herausforderungen, Zweifel und schlafloser Nächte – der sie geprägt und zugleich stärker gemacht hat.

 

Eine Mutter, die ihrem Gefühl vertraute

Schon früh spürte Jasmine, dass ihre Tochter Mia die Welt anders wahrnahm als viele andere Kinder. Lange bevor sie den Begriff „High Need“* kannte, wusste sie tief in ihrem Inneren, dass ihr Gefühl sie nicht täuschte. Eine erste Bestätigung erhielt sie schließlich bei einer Augenoperation ihrer Tochter, als auch ein Anästhesist bemerkte, wie auffallend lebendig Mia ist. Er habe deutlich mehr Dormicum benötigt als üblich.

 

Auf der Suche nach Antworten verbrachte Jasmine unzählige Nächte mit Recherchen. Schließlich stieß sie auf den Begriff „High Need“*. Rückblickend beschreibt sie dieses Wissen als große Erleichterung. Vor allem gab es ihr die Gewissheit, dass sie ihrer eigenen Wahrnehmung vertrauen durfte.

 

Wenn die Nächte kein Ende nehmen wollten

Besonders lebendig erinnert sich Jasmine an jene Zeit, in der Mia ausschließlich im Kinderwagen wackelnd einschlafen konnte. Nacht für Nacht zog sie durch die Straßen der Rachau - geschützt mit Warnweste, damit sie von vorbeifahrenden Fahrzeugen gesehen wurde. Während andere Familien schliefen, schob sie ihre Tochter oft stundenlang durch die Dunkelheit.

 

In dieser Zeit gab es einen kleinen Hoffnungsschimmer.

 

Auf einer Anhöhe leuchtete jeden Nacht ein Licht in einem Haus. Jasmine wusste aus Erzählungen anderer, dass dort ebenfalls eine Familie mit kleinen Kindern wohnte. Sie stellte sich vor, dass auch dort gerade Eltern versuchten, ein schreiendes Kind zu beruhigen.

 

"Ich habe mir immer gedacht: Ich bin nicht alleine."

 

Dieser Gedanke schenkte ihr Kraft.

Erst Jahre später erfuhr sie zufällig die Wahrheit. Das Licht war kein Zeichen einer ebenfalls schlaflosen Familie – es war lediglich ein Nachtlicht.


Für Jasmine war diese Erkenntnis zugleich überraschend und zermürbend.

"Eigentlich war ich alleine. Aber weil ich glaubte, nicht alleine zu sein, konnte ich es besser aushalten."

 

Aus genau dieser Erinnerung entstand auch der Titel ihres begonnenen Buchprojekts:

„Da oben brennt auch noch Licht.“

 

Ehrlichkeit statt Tabus

Jasmine spricht heute auch über Gedanken, über die viele Eltern niemals sprechen.


"In meinen dunkelsten Tagen habe ich nach Pflegefamilien gegoogelt."

 

Für sie war dieser Gedanke niemals Ausdruck fehlender Liebe. Ganz im Gegenteil. Er war ein Zeichen völliger Erschöpfung und dem Wissen, dass es morgen nicht besser werde. Außer Aushalten und Durchhalten gab es keine andere Perspektive.


Beim Schreiben ihres Buches flossen viele Tränen. Das Niederschreiben half ihr dabei, das Erlebte Schritt für Schritt zu verarbeiten. Bis heute fehlt ihr jedoch die Zeit und Ruhe, das Manuskript fertigzustellen.


Gerade diese Offenheit macht ihre Geschichte so berührend. Sie zeigt, dass auch starke Menschen an ihre Grenzen kommen dürfen. Und dass Mutterschaft oft romantisiert wird.

 

Niemand geht einen solchen Weg alleine

Wenn Jasmine heute auf diese Jahre zurückblickt, spricht sie voller Dankbarkeit über die Menschen, die sie getragen haben.

Vor allem ihre Mutter Elke und ihre Schwester Anja waren in dieser Zeit ihre größte Stütze – praktisch im Alltag ebenso wie emotional.
Vor allem ihre Mutter Elke und ihre Schwester Anja waren in dieser Zeit ihre größte Stütze – praktisch im Alltag ebenso wie emotional.

 Auch zwei enge Freundinnen begleiteten sie durch diese schwierigen Jahre.

"Ich habe beiden jahrelang ins Telefon geweint."

 

Diese wenigen Worte machen deutlich, wie wichtig Menschen sind, die einfach zuhören, da sind und mittragen.

 

Heute ist vieles leichter geworden

Mittlerweile ist Mia sechs Jahre alt. Bereits mit 16 Monaten besuchte sie die Kinderkrippe. Es war die beste Entscheidung für alle. Ab heuer wird sie im September die Schule in St. Margarethen besuchen – ein neuer Lebensabschnitt, auf den sich die ganze Familie freut.

Vor allem aber hat sich der Alltag verändert.

 

Jasmine erzählt, dass sich rund um Mias fünften Geburtstag vieles zum Positiven entwickelt habe. Gemeinsam habe die Familie ihren eigenen Weg und ihren eigenen Rhythmus gefunden.

 

"Uns geht es mit ihr heute so gut wie noch nie."

 Diese Worte spricht sie mit spürbarer Erleichterung.

Jasmine Willibald lächelt gemeinsam mit ihrer Tochter Mia inmitten einer natürlichen Umgebung.
Jasmine Willibald mit ihrer Tochter Mia – ein inniger Moment voller Nähe, Vertrauen und Lebensfreude.

Gleichzeitig liegt ihr ein Gedanke besonders am Herzen.

Mia soll niemals als schwieriges Kind gesehen und schon gar nicht anders behandelt werden. Vielmehr wünscht sich Jasmine, dass ihre Tochter später einmal erkennt, wie sehr sie geliebt wurde – und dass sie niemals Schuld an den Herausforderungen ihrer ersten Lebensjahre hat. Es soll vielmehr zeigen, dass man mit Ehrlichkeit sich selbst die Möglichkeit eröffnet „Verbündete“ (Freunde oder andere Eltern in der ähnlichen Situation) zu finden und mit ihnen mehr Kraft hat, die schwierigen Lebensphasen besser überstehen zu können. Viele Eltern hadern mit der neuen Rolle als Elternteil, doch wenige haben den Mut es auszusprechen. Schuldgefühle, warum man die Elternschaft nicht „wie alle anderen“ genießen könne, machen einem das Leben obendrein noch schwer.

Jasmine und Bernd Willibald umarmen und küssen ihre Tochter Mia in einer liebevollen Familienszene.
Jasmine und Bernd Willibald schenken ihrer Tochter Mia Geborgenheit und zeigen, wie stark familiärer Zusammenhalt sein kann.

 Mit Herz auch im Berufsalltag

Die Herzlichkeit, mit der Jasmine ihrer Familie begegnet, prägt auch ihren Berufsalltag. Gemeinsam mit ihrem Mann Bernd führt sie die Radwerkstatt Willibald und ist dort als Prokuristin längst zu einer unverzichtbaren Säule des Familienbetriebes geworden.

Während Bernd den technischen Bereich und die Werkstatt verantwortet, hält Jasmine im Hintergrund die organisatorischen Fäden in der Hand. Sie koordiniert die administrativen Abläufe, betreut Kundinnen und Kunden und ist für viele die erste Ansprechpartnerin.

Mit ihrem offenen Wesen, ihrer natürlichen Freundlichkeit und einem ehrlichen Lächeln sorgt sie dafür, dass sich Menschen willkommen fühlen. Für sie steht nicht nur das Fahrrad im Mittelpunkt, sondern immer auch der Mensch dahinter. Sie nimmt sich Zeit, hört zu und begegnet jeder Kundin und jedem Kunden mit Wertschätzung – ganz gleich, ob es um eine kleine Reparatur, eine Beratung oder einfach um ein persönliches Gespräch geht.

 

Organisationstalent, Herzlichkeit und Verlässlichkeit zeichnen Jasmine aus. Gemeinsam mit Bernd führt sie den Familienbetrieb mit großem Engagement und zeigt jeden Tag aufs Neue, dass wirtschaftlicher Erfolg und Menschlichkeit hervorragend zusammenpassen.


Auch beruflich blickt Jasmine gemeinsam mit Bernd nach vorne. Die Radwerkstatt Willibald soll sich in den kommenden Jahren kontinuierlich weiterentwickeln. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf dem Ausbau des Reparaturangebots in den Wintermonaten. Damit soll der Betrieb langfristig noch mehr Stabilität und Sicherheit gewinnen.

 

Jasmine und Bernd Willibald stehen zwischen zahlreichen Fahrrädern in der Radwerkstatt Willibald.
Jasmine und Bernd Willibald führen die Radwerkstatt Willibald gemeinsam mit viel Engagement, Fachwissen und persönlicher Nähe zu ihren Kundinnen und Kunden.

Frauenpower beginnt dort, wo Ehrlichkeit ihren Platz hat

Jasmine Willibald erzählt ihre Geschichte nicht, um Mitleid zu bekommen.

Sie erzählt sie, weil sie anderen Mut machen möchte. Sie zeigt, dass Stärke nicht bedeutet, niemals zu zweifeln. Sondern den Mut zu haben, Hilfe anzunehmen, immer wieder aufzustehen und trotz aller Herausforderungen den Glauben an sich selbst nicht zu verlieren.

 

Vielleicht ist genau das die stärkste Form von Frauenpower.

  


Foto Crédit: Freilichtmomente


*Jasmines persönliche Beschreibung eines High-Need-Kindes:

High Need Babys oder Kleinkinder benötigen um ein Vielfaches mehr Körperkontakt als andere Kinder, weinen viel und lange oftmals ohne ersichtlichen Grund, lassen sich schwer beruhigen, lassen sich nicht ablegen, sind nur angemessen ruhig, wenn sie getragen werden, können oftmals nur unter Bewegung einschlafen, akzeptieren keine anderen Betreuungspersonen außer die Mutter, fällt durch extreme Wutausbrüche auf, kann seine Gefühle schwer regulieren, ist dauerhaft unzufrieden und nörgelnd, können bei Autofahrten schreien bis zur Bewusstlosigkeit, brauchen generell wenig Schlaf und schlafen dann aber schlecht. Einfachste Hausarbeiten oder Kochen sind für den Elternteil – meistens der Mutter - nicht möglich. Eltern von High Need Kindern gehen dauerhaft über ihre eigenen Grenzen und das führt zur totalen Erschöpfung zusätzlich zum schlechten Gewissen die Elternschaft nicht genießen zu können, das eigene „Warum“ zur Familiengründung zu hinterfragen und der totale soziale Rückzug. Am schlimmsten ist das Wissen, dass es so schnell keine Lösung gibt. Obendrein leidet die Ehe sehr, Freunde gehen verloren, Teilnahme an der Gesellschaft kaum möglich, Verlust der eigenen Persönlichkeit, eigenes Leben für die Mutter findet kaum mehr statt – soziale Isolation.

 

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