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Sucht hat viele Gesichter – was wirklich dahinter steckt

Warum der Blick hinter das Verhalten entscheidend ist und was echte Veränderung möglich macht.

Mann sitzt nachdenklich vor einem Glas Alkohol und einer Flasche – Symbol für Alkoholabhängigkeit, inneren Schmerz und emotionale Überforderung
Wenn der Alkohol zur Ruhe wird, die im Inneren fehlt – oft beginnt Sucht dort, wo Schmerz zu laut wird.

Wenn Verhalten nur die Oberfläche ist

Nicht jede Sucht ist sofort erkennbar. Sie zeigt sich nicht nur in offensichtlichen Abhängigkeiten, sondern oft auch in gesellschaftlich akzeptierten Mustern wie übermäßiger Arbeit, permanenter Ablenkung durch digitale Medien oder dem ständigen Drang, funktionieren zu müssen.


Irmgard Underrain beschreibt diese Dynamik klar: Hinter vielen Formen von Sucht stehen keine „Schwächen“, sondern tieferliegende emotionale Zustände. Schmerz, innere Leere, Überforderung oder das Gefühl von Wertlosigkeit sind häufige Auslöser. Das Verhalten selbst ist dabei oft nur ein Versuch, mit diesen inneren Spannungen umzugehen.

Hand zündet eine Zigarette über einem Aschenbecher voller Stummel – Symbol für Nikotinsucht und den Versuch, innere Unruhe zu regulieren
Ein kurzer Moment der Entlastung – Nikotin als kleine Flucht vor großen, unausgesprochenen Gefühlen.

Statt einzelne Beispiele isoliert zu betrachten, wird deutlich, wie vielfältig diese Strategien sein können. Ob Rückzug, Betäubung, Ablenkung oder Leistungssteigerung – sie alle verfolgen ein ähnliches Ziel: Innere Zustände kurzfristig erträglicher zu machen.


Aus Sicht von Irmgard Underrain, Gründerin der DELPHIakademie, ist dieser Perspektivenwechsel zentral. Nicht das Verhalten steht im Fokus, sondern das, was darunter liegt. Wer ausschließlich Symptome bekämpft, übersieht den eigentlichen Ursprung.


Verstehen statt verurteilen

Viele gesellschaftliche Reaktionen auf Sucht sind geprägt von Bewertung und Kontrolle. Doch genau hier liegt ein grundlegendes Missverständnis. Sucht ist selten ein bewusst gewählter Weg. Vielmehr handelt es sich um einen unbewussten Versuch, mit inneren Zuständen umzugehen, die als kaum aushaltbar erlebt werden.

Weißes Pulver mit Löffel und Röhrchen auf dunklem Hintergrund – Symbol für Drogenkonsum, Suchtverhalten und emotionale Leere
Ein künstlicher Höhenflug – Substanzen als Versuch, innere Leere und Unsicherheit kurzfristig zu überdecken.

Irmgard Underrain betont, dass genau hier ein Umdenken notwendig ist. Ob Menschen sich in Arbeit verlieren, sich über Medien ablenken oder zu anderen Formen greifen – entscheidend ist nicht das sichtbare Verhalten, sondern die dahinterliegende Regulation.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht: „Warum hört jemand nicht einfach auf?“

Sondern: „Was versucht dieser Mensch eigentlich zu regulieren?“


Heilung beginnt im Inneren

Irmgard Underrain arbeitet seit vielen Jahren mit genau diesem Ansatz. Veränderung entsteht nicht durch Druck oder Disziplin allein, sondern durch Bewusstheit, Verständnis und die Fähigkeit, innere Prozesse neu zu steuern.


Ein wesentlicher Schritt ist es, sich selbst ehrlich zu begegnen. Zu erkennen, welche Gefühle vermieden werden. Zu verstehen, welche Bedürfnisse dahinter stehen. Und neue Wege zu entwickeln, mit diesen inneren Zuständen umzugehen.


Sie bietet dafür den Raum, diese Prozesse bewusst zu machen und nachhaltig zu verändern.


Heilung beginnt dort, wo nicht mehr nur das Verhalten kontrolliert wird, sondern wo ein tieferes Verstehen entsteht. Dort, wo Menschen lernen, sich selbst wieder wahrzunehmen, anstatt sich ständig zu betäuben oder abzulenken.


Ein gesellschaftlicher Perspektivenwechsel

Irmgard Underrain macht deutlich: Der Umgang mit Sucht braucht mehr Differenzierung. Weg von reiner Symptombekämpfung, hin zu einem ganzheitlichen Verständnis. Weg von Verurteilung, hin zu echtem Hinschauen.


Denn hinter fast jeder Sucht steht eine Geschichte, die gesehen werden will.

Und genau dort liegt auch die Chance für echte Veränderung.


Foto Crédit: Canva

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