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Wehrdienst-Debatte spitzt sich zu Kritik an Volksbefragung und fehlender Entscheidung

Bundeskanzler Christian Stocker kündigte überraschend eine Volksbefragung zur möglichen Verlängerung des Wehrdienstes an. Experten, Militär und Politik warnen vor Zeitverlust, steigenden Kosten und offenen Sicherheitsfragen für Österreich.

Mehrere Soldatinnen und Soldaten des Österreichischen Bundesheeres in Uniform stehen nebeneinander mit militärischer Ausrüstung.
Soldatinnen und Soldaten des Österreichischen Bundesheeres während einer Ausbildungssituation.

Experten warnen vor Zeitverlust und emotionaler statt faktenbasierter Entscheidung

Rund zwei Wochen nach der Ankündigung einer Volksbefragung zur möglichen Verlängerung des Wehrdienstes durch Bundeskanzler Christian Stocker steht die sicherheitspolitische Diskussion weiterhin im Zentrum der innenpolitischen Debatte. Während ein Fachgremium bereits konkrete Modelle erarbeitet und Empfehlungen ausgesprochen hat, bleibt eine politische Grundsatzentscheidung aus.


Im ORF-Studiogespräch mit Rebecca Salzer am15.2.2026 äußerte sich der ehemalige Verteidigungsminister und sicherheitspolitische Berater im Außenministerium, Thomas Starlinger, deutlich kritisch. Aus quantitativer und qualitativer Sicht habe die Wehrdienstkommission rund fünfzig Stunden intensiv beraten. Würde man die Bevölkerung auf denselben Wissensstand bringen wollen, wären ebenfalls etwa fünfzig Stunden Ausbildung notwendig. Eine faktenbasierte Entscheidung durch eine Volksbefragung sei daher unrealistisch, vielmehr drohe eine emotionale Abstimmung.


Starlinger betonte zudem, dass es aus seiner Sicht keiner Volksbefragung bedürfe. Notwendig sei vielmehr eine parlamentarische Entscheidung zur Änderung des Wehrgesetzes. Konkret gehe es darum, den Grundwehrdienst von sechs auf acht Monate zu verlängern und verpflichtende Milizübungen zu ergänzen. Eine solche gesetzliche Anpassung könne bereits im ersten Quartal beschlossen werden und damit eine Umsetzung ab 1. Jänner 2027 ermöglichen.


Gleichzeitig verwies Starlinger auf laufende Befragungen innerhalb der Bevölkerung, die mehrheitlich gegen eine Volksbefragung selbst sprechen würden. Entscheidend sei nun, rasch politische Verantwortung zu übernehmen, das Wehrgesetz anzupassen und damit den Schutz der Bevölkerung sicherzustellen.


Kritisch sieht der ehemalige Verteidigungsminister auch die sicherheitspolitischen Folgen eines weiteren Aufschubs. Einsätze des Bundesheeres fänden zunehmend im Umfeld der Zivilbevölkerung statt. Unzureichend ausgebildete Soldatinnen und Soldaten an sicherheitsrelevanten Kontrollpunkten stellten ein reales Risiko dar. Vor diesem Hintergrund sei kein rationaler Grund erkennbar, die Verlängerung des Wehrdienstes weiter hinauszuzögern.


Die Debatte über die Zukunft des Wehrdienstes bleibt damit offen. Klar ist jedoch: Zwischen fachlicher Empfehlung, politischer Verantwortung und möglicher Volksbefragung verläuft derzeit eine zentrale sicherheitspolitische Konfliktlinie Österreichs.


Foto Crédit: Österreichisches Bundesheer

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