Wirtschaft mit Zukunft: Drei Gewerbe, jahrzehntelang bezahlt und von der WKO übersehen
Persönlicher Kommentar von Irmgard Underrain, Herausgeberin von murtalinfo

Drei Gewerbeberechtigungen, jahrzehntelange Pflichtbeiträge und dennoch keine Unterstützung: Ich ziehe eine ernüchternde Bilanz über meine Erfahrungen mit der WKO Steiermark.
Was mir nach 25 Jahren WKO-Pflichtmitgliedschaft reichte
Mehr als 25 Jahre lang war ich mit einem Gewerbe Mitglied der Wirtschaftskammer. Über 15 Jahre führte ich ein zweites und mehr als zehn Jahre ein drittes Gewerbe. Damit war ich über viele Jahre hinweg mit drei Gewerbeberechtigungen gleichzeitig an die gesetzliche Pflichtmitgliedschaft der WKO gebunden.
Was ich in dieser langen Zeit jedoch vermisste, waren konkrete Leistungen, persönliche Unterstützung und die Möglichkeit, am wirtschaftlichen Netzwerk der Kammer teilzunehmen. Trotz der über Jahrzehnte entrichteten Pflichtbeiträge fühlte ich mich von meiner eigenen Interessenvertretung weder wahrgenommen noch vertreten.
Trotz wiederholter Anfragen keine Einladungen
Rund 15 Jahre lang bemühte ich mich darum, Einladungen zu Veranstaltungen und Informationen über Aktivitäten der Wirtschaftskammer zu erhalten. Ich schrieb mehrere E-Mails, sprach persönlich mit dem WKO-Steiermark-Präsidenten Ing. Josef Herk und versuchte wiederholt, eine Lösung zu erreichen. Doch auch bei diesem persönlichen Gespräch stieß mein Anliegen auf wenig Verständnis. Eine dauerhafte Aufnahme in die entsprechenden Verteiler erfolgte weiterhin nicht.
Auch mein Wunsch, an Veranstaltungen von „Frau in der Wirtschaft“ teilzunehmen und mich dort mit anderen Unternehmerinnen zu vernetzen, blieb unerfüllt. Ich kontaktierte deshalb mehrfach die Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Steiermark, Mag. Gabi Lechner. Doch auch diese Gespräche und Nachrichten führten zu keiner Verbesserung.
Gerade für mich als Unternehmerin, die jahrzehntelang mehrere Gewerbe führte, ist diese Erfahrung besonders enttäuschend. Während öffentlich die Vernetzung, Beratung und Unterstützung von Unternehmerinnen und Unternehmern hervorgehoben wird, blieb ich trotz zahlreicher eigener Bemühungen über viele Jahre außen vor.
Jubiläumsurkunde landete ungeschützt vor der Haustür
Den endgültigen Tiefpunkt stellte für mich der Umgang mit meinem 25-jährigen Gewerbejubiläum dar. Die dafür vorgesehene Urkunde erhielt ich erst fast ein halbes Jahr später. Sie wurde ohne persönliche Übergabe und ohne ausreichenden Wetterschutz vor meiner Haustür von der Post abgelegt.
Da es regnete, war die Urkunde anschließend unbrauchbar. Für mich war dieser Umgang sinnbildlich für die fehlende Wertschätzung, die ich während meiner langjährigen Pflichtmitgliedschaft erlebt hatte.
Besonders traurig ist für mich, dass andere langjährige Mitglieder sehr wohl öffentlich gewürdigt werden. Urkunden werden etwa von Funktionären wie Günther Sorko oder anderen Kammermitgliedern persönlich und verbunden mit Glückwünschen überreicht. Darüber wird anschließend in den sozialen Medien berichtet – eine Aufmerksamkeit, die zugleich wertvolle Werbung für das ausgezeichnete Unternehmen bedeutet. Ich kenne jedoch weitere Unternehmerinnen und Unternehmer, die ähnliche Erfahrungen wie ich gemacht haben und diese öffentliche Wertschätzung ebenfalls vermissen.
Dass es sich dabei um keinen Einzelfall handelt, zeigen auch Rückmeldungen aus dem von mir gegründeten Frauennetzwerk „Die Macherinnen“, dem mehr als 40 Frauen angehören. Dort berichteten einige Unternehmerinnen, dass sie weder Einladungen zu Netzwerktreffen noch zu hochkarätigen Veranstaltungen der Wirtschaftskammer erhalten hätten. Damit stellt sich umso dringlicher die Frage, nach welchen Kriterien Mitglieder informiert, eingeladen und öffentlich gewürdigt werden.
Eine Urkunde sollte 25 Jahre unternehmerische Tätigkeit würdigen. In meinem Fall verstärkte sie jedoch den Eindruck, als Unternehmerin über Jahrzehnte zwar beitragspflichtig, für die Wirtschaftskammer darüber hinaus jedoch kaum von Bedeutung gewesen zu sein.
Konsequenz nach jahrzehntelanger Enttäuschung
Nach diesen Erfahrungen zog ich eine klare Konsequenz und beendete mit Jahresende 2025 schließlich alle meine Gewerbe. Ausschlaggebend war nicht ein einzelner Vorfall, sondern die Summe aus fehlender Einbindung, erfolglosen Kontaktversuchen und mangelnder persönlicher Wertschätzung über viele Jahre hinweg.
Umso größer ist mein Ärger über ein aktuelles Video auf Facebook, in dem WKO-Präsident Ing. Josef Herk gemeinsam mit Markus Reiter vom Gründerservice die 2.791 Gründungen im ersten Halbjahr als großartigen Erfolg präsentiert. Wer diese Zahl öffentlich feiert, sollte aus meiner Sicht auch offenlegen, wie langjährige Pflichtmitglieder tatsächlich unterstützt, eingebunden und wertgeschätzt werden.

Meine Erfahrung wirft daher eine zentrale Frage auf: Reicht es für eine gesetzliche Interessenvertretung aus, steigende Mitgliederzahlen zu präsentieren – oder muss sie sich auch daran messen lassen, welche konkreten Leistungen bei den einzelnen Unternehmerinnen und Unternehmern tatsächlich ankommen?
Foto Crédit: Karin Maria Brunner




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