Macht uns das Smartphone dümmer?
- Irmgard Underrain

- vor 21 Stunden
- 2 Min. Lesezeit
Neue Studien zeigen: Permanente Smartphone-Nutzung beeinflusst Konzentration, Wohlbefinden und möglicherweise sogar ungeborenes Leben.

Smartphones sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken – doch aktuelle Studien zeigen, dass der permanente Zugang zum Internet messbare Auswirkungen auf geistige Leistungsfähigkeit und psychisches Wohlbefinden haben kann. Was lange als harmlose Gewohnheit galt, rückt zunehmend in den Fokus der Forschung.
Permanente Reize ohne natürliches Ende
Frühere Medien hatten klare Grenzen. Ein Film war vorbei, ein Spiel beendet, der Computer wurde abgeschaltet. Das Gehirn konnte abschließen und sich neu orientieren. Beim Smartphone fehlt dieses natürliche Ende. Inhalte starten automatisch neu, das nächste Video beginnt innerhalb weniger Sekunden, Apps werden ohne bewusste Entscheidung gewechselt. Rund neunzig Prozent der Smartphone-Nutzung gehen laut Untersuchungen aktiv vom Menschen selbst aus. Der Griff zum Gerät erfolgt aus Gewohnheit – oft ohne konkreten Zweck.
Diese dauerhafte Reizverfügbarkeit verändert Aufmerksamkeit und Denkprozesse. Scrollen ersetzt Pausen, Unterbrechungen verhindern Tiefe. Konzentration wird fragmentiert.
Nicht smarter, sondern dümmer – Wie Smartphones unser Denken verändern
Forschung zeigt überraschende Effekte
US-amerikanische Forschende testeten, was passiert, wenn der Internetzugang am Smartphone eingeschränkt wird. Telefonieren, Nachrichten schreiben, Fotos ansehen oder einfache Spiele waren erlaubt – jedoch kein permanenter Online-Zugang. Nach drei Wochen zeigte sich eine deutliche Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit. Der Effekt entsprach rechnerisch einer Verjüngung um rund zehn Jahre. Auch das subjektive Wohlbefinden nahm messbar zu.
Fachleute sehen darin einen ersten klaren Hinweis darauf, dass permanenter Internetzugang Denken und psychische Balance negativ beeinflussen kann.
Was passiert bereits im Mutterleib?
Eine weitere Untersuchung unter dem Titel „Smart Baby“ befasst sich mit möglichen Auswirkungen intensiver Smartphone-Nutzung während der Schwangerschaft. Analysiert wurden unter anderem Stressreaktionen und Herzfrequenzmuster. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass dauerhafte digitale Reizbelastung nicht nur die Mutter, sondern auch das ungeborene Kind beeinflussen könnte. Das Thema ist sensibel und komplex. murtalinfo wird dazu einen eigenen ausführlichen Bericht mit wissenschaftlicher Einordnung veröffentlichen.
Bewusste Offline-Zeiten als möglicher Ausweg
Ein kompletter Verzicht ist im Berufs- und Privatleben kaum realistisch. Doch zeitlich begrenzte Offline-Phasen könnten ein sinnvoller erster Schritt sein. Feste Stunden ohne Internetzugang – etwa am Vormittag oder Abend – geben dem Gehirn Raum zur Regeneration. Kleine Veränderungen im digitalen Verhalten können langfristig große Wirkung entfalten.
Besonders im Hinblick auf Kinder und Jugendliche gewinnt diese Diskussion an Bedeutung. Konzentrationsfähigkeit, Schlafqualität und emotionale Entwicklung stehen zunehmend im Zusammenhang mit Mediennutzung. Auch diesem Aspekt wird murtalinfo einen eigenen Beitrag widmen.
Ein kleiner Fun Fact zum Schluss
Der Titel „Smartes Örtchen“ hat einen realen Hintergrund: In England fallen jährlich rund 1,8 Millionen Smartphones in Toiletten. Ein Schicksal, das Büchern oder Zeitschriften deutlich seltener widerfährt. Ein humorvoller Hinweis darauf, wie eng das Gerät inzwischen mit dem Alltag verbunden ist.
Fest steht: Digitale Technologien bieten enorme Möglichkeiten – doch bewusste Nutzung wird zur Schlüsselkompetenz unserer Zeit.
Foto Crédit: Canva




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