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Streetwork im Murtal und Murau vor dem Aus

Aktualisiert: 17. Dez. 2025

Massive Kürzungen gefährden ein zentrales Präventionsangebot für junge Menschen – die gesellschaftlichen Folgen drohen langfristig schwerwiegend zu werden.

Ehemaliger Streetwork-Standort Murau sowie die Standorte Judenburg und Knittelfeld, die von Schließung bedroht sind.
Der Streetwork-Standort Murau ist bereits geschlossen. In Judenburg und Knittelfeld stehen die Anlaufstellen aufgrund massiver Kürzungen ebenfalls vor dem Aus.

Diese Entwicklung betrifft nicht nur eine Einrichtung. Sie betrifft Familien, Schulen, Gemeinden und letztlich die gesamte Region. Die Frage, die sich jetzt stellt, lautet nicht, ob Streetwork leistbar ist, sondern ob es sich eine Region leisten kann, darauf zu verzichten.


Wenn Prävention wegfällt, wird es später teuer

Im Murtal und im Bezirk Murau steht das Streetwork-Angebot vor dem faktischen Ende. Nach der bereits erfolgten Schließung der Anlaufstelle in Murau ist nun klar, dass auch weitere Standorte massiv betroffen sind. Die finanziellen Mittel reichen nur noch begrenzte Zeit. In Judenburg endet das Angebot mit Auslaufen des Mietvertrags, die Anlaufstelle Knittelfeld kann nach derzeitigem Stand nur noch bis spätestens Herbst aufrechterhalten werden. Ab Jänner wird es im Bezirk Murau kein Streetwork mehr geben.


Damit verlieren junge Menschen einen niederschwelligen, anonymen und lebensnahen Zugang zu Unterstützung, Begleitung und Orientierung. Gerade in einer Region, die seit Jahren mit überdurchschnittlich hohen Zahlen bei Suchtproblematiken und Suiziden konfrontiert ist, trifft dieser Kahlschlag einen besonders sensiblen Bereich der sozialen Infrastruktur.


Nach 16 Jahren engagierter Arbeit wird auch ein langjähriger Streetworker seine Tätigkeit 2026 beenden. Mit seinem Weggang geht nicht nur Erfahrung verloren, sondern auch gewachsene Beziehungskontinuität zu Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die Vertrauen oft erst über Jahre aufbauen konnten. Künftig werden im gesamten Murtal nur noch zwei Streetworker für das gesamte Gebiet zuständig sein. Der Bezirk Murau bleibt vollständig unbetreut.

Streetwork-Team des Oberen Murtals vor einer Anlaufstelle – Abschiedsstimmung nach jahrelanger Arbeit mit jungen Menschen.
Schweren Herzens blickt das Streetwork-Team im Oberen Murtal und Murau einer ungewissen Zukunft entgegen. Mit dem drohenden Ende des Angebots gehen Vertrauen, gelebte Beziehungen und jahrelange Begleitung junger Menschen verloren.

Streetwork wirkt dort, wo Probleme noch leise sind. Es erreicht junge Menschen, bevor Krisen eskalieren, bevor Sucht verfestigt ist, bevor psychische Belastungen in Akutsituationen münden. Fällt diese Arbeit weg, verlagern sich die Kosten in die Zukunft – in das Gesundheits- und Sozialsystem, in die Akutversorgung, in menschliches Leid, das kaum mehr zu reparieren ist.


Diese Entwicklung betrifft nicht nur eine Einrichtung. Sie betrifft Familien, Schulen, Gemeinden und letztlich die gesamte Region. Die Frage, die sich jetzt stellt, lautet nicht, ob Streetwork leistbar ist, sondern ob es sich eine Region leisten kann, darauf zu verzichten.

Unklare Zuständigkeiten und fehlende Verbindlichkeit

Der Gesundheitsfonds Steiermark verweist in seiner Außendarstellung auf Zuständigkeiten wie psychiatrische Versorgung, Suchthilfe, Gesundheitsförderung und Gesundheitsziele für die gesamte Bevölkerung der Steiermark. Konkrete, klar ausgewiesene Angebote oder verbindliche Leistungszusagen für niederschwellige soziale Einrichtungen wie Streetwork sind daraus jedoch nicht ersichtlich. Gerade im Bereich der Prävention bleibt damit unklar, wie Bedarfserhebungen erfolgen, nach welchen Kriterien Mittel gekürzt oder priorisiert werden und wie sichergestellt wird, dass bestehende Angebote auch tatsächlich erhalten bleiben.


Streetwork war und ist ein solches Präventionsangebot, das bislang vom Land Steiermark, konkret über die Abteilung 11 Soziales, sowie vom Gesundheitsfonds Steiermark mitfinanziert wurde. Politisch verantwortlich für diesen Bereich ist Landesrat Mag. Hannes Amesbauer, BA. Zwar wurden die Förderungen der Abteilung 11 für 2026 in gleicher Höhe wie 2025 zugesagt, gleichzeitig führten Kürzungen aus dem Gesundheitsfonds bereits im Verlauf des Jahres 2025 zu strukturellen Einschnitten, die die Schließung des Standorts Murau und die absehbare Aufgabe weiterer Anlaufstellen nach sich ziehen.


Diese Situation verdeutlicht ein zentrales Problem: Solange Prävention zwar in Leitbildern genannt, aber nicht mit klaren, langfristig abgesicherten Angeboten hinterlegt ist, entsteht Unsicherheit für Träger, Mitarbeitende und vor allem für jene Menschen, die auf diese Unterstützung angewiesen sind. Eine transparente Darstellung von Bedarf, Zuständigkeiten und Finanzierung sowie eine verbindliche politische Lösung sind daher dringend erforderlich, um präventive Angebote wie Streetwork nachhaltig abzusichern.


Foto Crédit: K.K.

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