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Tierischer Einsatz: Was Honig kosten würde, bekämen Bienen Mindestlohn

Ohne Bienen fehlt mehr als Honig! Bienen produzieren nicht nur Honig. Als unverzichtbare Bestäuberinnen sichern sie Ernten, Pflanzenvielfalt und Lebensräume. Hinter jedem Glas Honig und jeder bestäubten Blüte steckt eine kaum vorstellbare Gemeinschaftsleistung.

Mit gefüllten Pollenhöschen fliegt eine Honigbiene die nächste Blüte an.
Mit gefüllten Pollenhöschen fliegt eine Honigbiene die nächste Blüte an.

Kleine Tiere mit gewaltiger Wirkung

Wenn von Bienen die Rede ist, denken viele Menschen zuerst an Honig. Ihr größter Wert liegt jedoch in einer anderen Leistung: der Bestäubung. Beim Sammeln von Nektar und Pollen übertragen die Tiere Blütenstaub und ermöglichen dadurch die Bildung von Früchten und Samen. Davon profitieren Obstbäume, Beerensträucher, Gemüse-, Öl- und Futterpflanzen ebenso wie unzählige Wildpflanzen.


Nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO sind rund drei Viertel der weltweit wichtigsten Nutzpflanzen zumindest teilweise von Bestäubern abhängig. Rund 35 Prozent der weltweiten Pflanzenproduktion werden in ihrem Ertrag von Bienen, Schmetterlingen, Käfern, Vögeln, Fledermäusen und anderen Bestäubern beeinflusst. Betroffen sind 87 der 115 bedeutendsten Nahrungspflanzen.

Schmetterling auf einer violetten Distelblüte als wichtiger Bestäuber
Auch Schmetterlinge leisten als Bestäuber einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt.

Bestäubung sichert Ernährung und Artenvielfalt

Bienen sichern damit nicht nur die Menge landwirtschaftlicher Erträge. Eine gute Bestäubung kann auch die Qualität, Größe und Haltbarkeit von Früchten verbessern. Äpfel, Erdbeeren, Kirschen, Kürbisse, Raps und viele weitere Kulturpflanzen profitieren von ihrem Einsatz.

Gleichzeitig bilden bestäubte Wildpflanzen Samen und Früchte, die wiederum Vögeln und anderen Tieren als Nahrung dienen. Bienen halten damit einen Kreislauf aufrecht, von dem ganze Lebensräume abhängen. Fehlen die Bestäuberinnen, verschwinden langfristig nicht nur einzelne Pflanzen, sondern auch wichtige Nahrungsgrundlagen und Rückzugsräume für zahlreiche Tierarten.


Die wirtschaftliche Bestäubungsleistung in Österreich wird vom Naturschutzbund mit jährlich rund 300 bis 650 Millionen Euro beziffert. Ihr ökologischer Wert lässt sich jedoch kaum in Geld ausdrücken.

Beim Sammeln von Nektar und Pollen bestäuben Bienen unzählige Obstblüten.
Beim Sammeln von Nektar und Pollen bestäuben Bienen unzählige Obstblüten.

Zehntausende Flüge für ein Glas Honig

Für ein 500-Gramm-Glas Honig sammeln Bienen rund 1,5 Kilogramm Nektar. Eine Sammelbiene kann in ihrer Honigblase ungefähr 50 Milligramm transportieren. Daraus ergeben sich rechnerisch rund 30.000 Sammelflüge. Je nach Pflanzenart besucht sie für eine Füllung etwa 15 bis 100 Blüten. Für ein einziges Glas Honig können daher Hunderttausende bis mehrere Millionen Blütenbesuche notwendig sein.


Wie weit die Bienen dabei fliegen, hängt stark vom Standort, vom Blütenangebot und von der Entfernung zwischen Bienenstock und Nahrungsquelle ab. Für ein Kilogramm Honig werden häufig Gesamtflugstrecken von mehreren Zehntausend Kilometern genannt. Die Landwirtschaftskammer Steiermark geht von rund 80.000 bis 100.000 Kilometern aus. Für ein 500-Gramm-Glas entspricht das rechnerisch ungefähr 40.000 bis 50.000 Kilometern – mindestens einmal rund um die Erde.


Wenn Bienen nach Stundenlohn arbeiten würden

Würde jeder der rund 30.000 Flüge durchschnittlich eine halbe Stunde dauern, kämen etwa 15.000 zusammengerechnete Flugstunden zusammen. Übertrüge man diese Gemeinschaftsleistung rein gedanklich auf einen menschlichen Stundenlohn, hätte ein Glas Honig einen kaum vorstellbaren Wert. Dieser Vergleich ist zwar keine reale Preisberechnung, macht aber sichtbar, wie viel Arbeit in einem einzigen Glas steckt und wie wertvoll er ist.

Zahlreiche Honigbienen auf einer mit Honig gefüllten Bienenwabe
Im Bienenstock arbeiten Tausende Honigbienen gemeinsam an der Versorgung ihres Volkes.

Honigbienen und Wildbienen gemeinsam schützen

Neben der Honigbiene leben in Österreich mehr als 700 Wildbienenarten, darunter rund 45 Hummelarten. Viele dieser Arten bilden keine Staaten, sondern leben allein. Manche sind auf ganz bestimmte Blüten und Nistplätze spezialisiert. Gerade deshalb können Honigbienen ihre Bestäubungsleistung nicht vollständig ersetzen.

Hummel bei der Bestäubung einer weißen Obstbaumblüte
Auch Hummeln gehören zu den Wildbienen und sind unverzichtbare Bestäuberinnen vieler Wild- und Kulturpflanzen.

Mehr als die Hälfte der österreichischen Wildbienenarten gilt laut Naturschutzbund als gefährdet. Blütenarme Flächen, fehlende Nistmöglichkeiten, Bodenversiegelung, häufiges Mähen und der Einsatz von Pestiziden setzen ihnen zu.


Jeder blühende Platz zählt

Schon kleine Maßnahmen können Bienen unterstützen. Heimische, ungefüllte Blüten, Kräuter, blühende Hecken und eine vom Frühling bis in den Herbst reichende Blütenvielfalt schaffen Nahrung. Weniger häufig gemähte Bereiche, offene Bodenstellen, Totholz und stehen gelassene Pflanzenstängel bieten vielen Wildbienen geeignete Nistplätze.

Artenreiche Blumenwiese mit bunten Blüten als Nahrungsquelle für Bienen und andere Bestäuber
Blühende Wiesen bieten Bienen, Hummeln und anderen Insekten wertvolle Nahrung und Lebensraum.

Wer Bienen schützt, bewahrt daher weit mehr als Honig. Geschützt werden Ernährung, Artenvielfalt, Landwirtschaft und lebendige Landschaften – auch im Murtal und in Murau.


Foto Crédit:


Quellen: Welternährungsorganisation FAO, Landwirtschaftskammer Steiermark, Naturschutzbund Österreich und Humboldt-Universität zu Berlin Mehr über Bienen auf murtalinfo

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