Gerhard Dienes – Historiker, Vermittler und kritischer Geist mit Wurzeln in Knittelfeld
- murtalinfo

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Eine Buchpräsentation würdigt das vielseitige Werk des aus Knittelfeld stammenden Historikers Gerhard Dienes und schlägt eine Brücke zwischen regionaler Geschichte, großer Weltpolitik und lebendiger Vermittlung.

Sechs Publikationen mit unveröffentlichten Texten werden innerhalb der Veranstaltung „Gerhard Dienes und die frische Brise ... eine Hommage.“ am 7. Februar 2026 präsentiert.
Das Schaffen des Grazer Historikers, und langjährigem Direktor des Grazer Stadtmuseums Gerhard Dienes (1953–2020) war gekennzeichnet von einer unglaublichen inhaltlichen Vielfalt. Seine Expertise reichte vom Ersten Weltkrieg bis zur Popkultur der 1960er-Jahre. Gerhard Dienes studierte an der Universität Graz Geschichte und Geografie und promovierte 1979 mit der Arbeit „Die Bürger von Graz – Örtliche und soziale Herkunft von den Anfängen bis 1500“.
Nach seinem viel zu frühen Tod 2020 wurde der Steirischen Kulturinitiative, mit der er über viele Jahre hinweg eine überaus fruchtbare Zusammenarbeit gepflegt hatte, sein umfangreicher Nachlass überantwortet. Der Nachlass ist reich an Originalen, Kopien noch nicht bearbeiteter historischer Dokumente, unveröffentlichten Performance-, Lesungs- und Vortragsskripten sowie Skizzen für Projekte und Fotos.
Die Steirische Kulturinitiative hat diesen Nachlass durchgearbeitet und veröffentlicht nun eine feine Auswahl an Themen des Gerhard Dienes.
Neugier, Vielfältigkeit, Leidenschaft, die Freude an Austausch und Vernetzung charakterisierten den Historiker und den Menschen Gerhard Dienes, der trotz des großen Ganzen auch ein Auge für kleine Details hatte. Gerade diese Fähigkeit ermöglichte sein Bestreben, einem möglichst breiten Publikum intellektuelle Erlebnisse zu präsentieren.
20 Kartons wurden der Steirischen Kulturinitiative übergeben, eine archivarische, umfangreich zusammengestellte Sammlung von Zeitungsartikeln, von historischen Originalen bis zu feuilletonistischen Texten der früheren und späteren Gegenwart, ein Zettelkasten für weitere Publikationen und Vorträge, historische Gegenstände und Dokumente, wie die gestalteten Reisefotoalben der Familie Dienes aus den 1930er-Jahren. Kopien archivalischen Materials aus Gerhards Herzensprojekten waren zu finden, wie zum Beispiel Anträge russischer Kriegsgefangener in Knittelfeld, die nach dem Ersten Weltkrieg gerne in der Habsburger Monarchie verblieben wären.
Eines seiner wichtigen Themen war „Die Knittelfelder Neustadt“. Dieser gleichnamige Vortrag am 15. Jänner 2009 im Kulturhaus Knittelfeld gibt Einblick. Um einen Eindruck von der umsichtigen, spannenden Arbeits- und wertvollen Vermittlungsweise vom Gerhard Dienes zu bekommen, folgend ein Auszug aus dem Text des leider viel zu früh verstorbenen Historikers.
Ein sich nicht namentlich nennender Truppenkommandant veröffentlichte zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Streffleurs Militärischer Zeitschrift eine Abhandlung, die die moralische Vorbereitung für den Krieg zum Thema hatte. Er nannte die vergangenen Friedensjahre eine Zeit politischer Versumpfung, in der die blaue Blume des Pazifismus üppig gedieh.
Bertha von Suttner blieb mit ihrer Aufforderung Die Waffen nieder! eine Ruferin in der Wüste, denn alle Nationen rüsteten auf.
Und so glich Europa zu Beginn des 20. Jahrhunderts einem Haufen von Schwertern, die wie Mikadostäbchen übereinander lagen. Keines konnte herausgezogen werden, ohne dass die anderen sich bewegten.
Ein fatales Bündnissystem kam zum Wirken und so waren bis August 1914 alle europäischen Großmächte in den Krieg verwickelt. Damals, im Sommer 1914, glaubten viele der zu den Waffen Gerufenen, wieder zu Hause zu sein, ehe das Laub fällt. Doch der Krieg entwickelte sich zu einer Katastrophe von bisher nicht gekanntem Ausmaß und hatte auch für Knittelfeld nachhaltige Auswirkungen.
Schneeflecken glänzen noch auf den Seckauer Tauern ...
Gerhard Dienes beschreibt das Werden der Stadt Knittelfeld, zitiert Stefan Zweig, beschreibt die liebliche Landschaft und verweist auf ein historisches Gemälde. Er war ein Könner, die Stimmung einer Zeit einzufangen und diese dem interessierten Publikum nahe zu bringen. Der Sensenwerkbesitzer Otto Zeilinger wird genannt, der seine Besitzungen zwischen Knittelfeld und Sachendorf als Standort für ein zu errichtendes Lager anbot. Der erste Weltkrieg hatte eine neue Dimension des Vernichtens und Schreckens gebracht.
Gerhard Dienes beschreibt die Geschichte der Kriegsgefangenen des Ersten Weltkriegs, er verweist auch darauf, dass vieles noch unzureichend erforscht ist. Er beschreibt beeindruckend aus der Sicht des Historikers mit vielen Fakten, verweist aber auch darauf, wie das ehemalige Lager die städtebauliche Entwicklung on Knittelfeld nachhaltig beeinflusste.
Gerhard Dienes brachte Geschichte in unser Jetzt mit einem kritischen Blick und der Gabe, altes Wissen zu erforschen und kritisch zu überdenken. Gerhard Dienes und die frische Brise ... eine Hommage
Buchpräsentation
Samstag, 7.2.2026
18.00 – 20.30 Uhr
Graz, Museum für Geschichte, Sackstraße 16, 8010 Graz
Text: Gundi Jungmeier
Foto Crédit: K.K.




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