Neujahrsempfang am TÜPL Seetaler Alpe: Die Welt gerät aus den Fugen – Warnung vor sicherheitspolitischem Wendepunkt
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Aktualisiert: vor 5 Stunden
Globale Krisen, geopolitische Machtverschiebungen und neue Bedrohungslagen bestimmten den Neujahrsempfang am Truppenübungsplatz Seetaler Alpe. Die Botschaft der Experten war unmissverständlich: Für Wegschauen und Abwarten bleibt keine Zeit mehr.

Der Neujahrsempfang am Truppenübungsplatz Seetaler Alpe (TÜPL) stand heuer ganz im Zeichen einer Weltordnung, die zunehmend ins Wanken gerät. Bereits im Vorjahr hatte Oberst Dr. Markus Reisner eindringlich auf die sich zuspitzende globale Sicherheitslage hingewiesen. In diesem Jahr wurde diese Warnung weiter vertieft und deutlich verschärft.
Bundesminister a. D. Generalmajor Thomas Starlinger und Militär-Experte Oberst Matthias Wasinger gaben fundierte Einblicke in internationale Krisenherde und geopolitische Machtverschiebungen. Beide betonten unmissverständlich die Notwendigkeit eines starken, geeinten und handlungsfähigen Europas. Zwar habe ein Umdenken begonnen, doch erfolge es nicht schnell genug und werde von breiten Teilen der Gesellschaft noch immer unterschätzt.

Oberst Matthias Wasinger brachte die Dringlichkeit der Lage in einem klaren Satz auf den Punkt: Für Herumreden bleibe keine Zeit mehr. Entscheidend sei die Frage, ob Europa künftig mitgestalten wolle oder ob es Gefahr laufe, Objekt fremder Interessen zu werden. Sein abschließender Appell hallte nach:
Wollen wir bei Tisch sitzen und mitbestimmen oder wollen wir auf der Speisekarte der Großen stehen?

Als zentrale Bedrohungslagen wurden benannt: geo-ökonomische Konfrontationen, zwischenstaatliche bewaffnete Konflikte, extreme Wetterereignisse, zunehmende gesellschaftliche Polarisierung, gezielte Desinformation und Falschinformation sowie ein sich abzeichnender wirtschaftlicher Abschwung. Zusammengenommen zeichnen diese Entwicklungen ein Bild, das Sicherheit nicht mehr isoliert, sondern als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begreifbar macht.
TÜPL Seetaler Alpe zwischen Einsatzfähigkeit und regionaler Verantwortung
Erweiterung des Übungsgeländes.
Oberst Manfred Hofer berichtete, dass das Übungsgelände des TÜPL mit Jahresbeginn um rund 70 Hektar Waldgebiet im Bereich der Brandlucke erweitert wurde. Das neu gepachtete Areal ermöglicht die Ausbildung neuer Einsatzverfahren, insbesondere im Hinblick auf den Aufbauplan 2032. Errichtet werden dürfen dort ausschließlich kleinere Anlagen, die keiner Genehmigung bedürfen.
Infrastruktur unter Druck.
Kritisch äußerte sich der Kommandant zur auf unbestimmte Zeit verschobenen Generalsanierung der Unterkünfte sowie der Gefechtsschießanlage. Eine zeitnahe Umsetzung sei notwendig, um die Aufgaben des Truppenübungsplatzes langfristig erfüllen zu können.
Hohe Auslastung und internationale Bedeutung.
Im Vorjahr wurden am TÜPL rund 37.000 Nächtigungen verzeichnet, etwa 30 Prozent davon durch internationale Verbände. Für das laufende Jahr sind unter anderem die Erneuerung der Warn- und Absperranlagen, Maßnahmen an der Schießanlage, die Sanierung des Klettergartens sowie die Umstellung auf bargeldlosen Zahlungsverkehr geplant.
Militärischer Betrieb und zivile Nutzung.
Oberst Manfred Hofer betonte erneut, dass militärischer Übungsbetrieb und Tourismus kein Widerspruch sein müssen. Trotz 182 Schießtagen war die Hohe Ranach im vergangenen Jahr lediglich an 27 Tagen gesperrt.
Leistungen für die Region.
Die Zusammenarbeit mit Gemeinden und Bevölkerung soll weiter intensiviert werden. Zu den konkreten Maßnahmen zählen die Sanierung der Verbindungsstraße zur Winterleitenhütte, die Errichtung einer Rettungsgasse zum oberen Winterleitensee sowie Überlegungen zur Erweiterung des Mountainbike-Netzes.
Der Neujahrsempfang machte deutlich, dass Sicherheitspolitik nicht abstrakt ist, sondern direkte Auswirkungen auf Gesellschaft, Wirtschaft und Demokratie hat. Die Warnungen waren klar formuliert. Die Verantwortung, sie ernst zu nehmen, betrifft alle, auch die regionale Politik.

Abschluss wie immer mit europäischem Bekenntnis.
Solange ich Kommandant hier bin, wird immer die Europahymne zum Abschluss ertönen“, betonte Hofer zum Ende der Veranstaltung. So erklang auch an diesem Abend die Europahymne und setzte einen symbolischen Schlusspunkt.
Foto Crédit: murtalinfo




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